Vaginale Geburt

Die natürliche, also die vaginale Geburt, ist einer der schönsten Augenblicke im Leben einer Frau und gleichzeitig auch einer der risikoreichsten. Die anatomischen und physiologischen Gegebenheiten bei Mutter und Kind müssen perfekt zueinander passen, denn Abweichungen führen dazu, dass die Geburt gefährlich wird oder gar nicht möglich ist.



Von einer normalen Geburt wird gesprochen, wenn das Kind nach 259 bis 293 Tagen und einer Geburtsdauer von drei bis 18 Stunden aus der vorderen Hinterhauptslage geboren wird. Die Fruchtblase muss dabei während der Eröffnungsperiode springen, der Blutverlust der Mutter darf nicht mehr als 500ml betragen. Mutter und Kind dürfen während und nach der Geburt nicht gefährdet sein.

Es gibt viele Zeichen, die auf eine nahende Geburt hinweisen. So senkt sich der Bauch der Schwangeren und der Kopf des Kindes tritt in das Becken ein. Kurz bevor die Geburt beginnt, löst sich ein Schleimpfropf aus dem Gebärmutterhals und die Mutter verspürt einen verstärkten Druck auf die Blase. Die Bewegungen des Kindes werden immer weniger und es treten für mindestens zwei Stunden regelmäßig alle zehn Minuten Wehen auf. In dieser Phase springt auch die Fruchtblase und der Gebärmutterhalskanal weitet sich. Genannt wird diese Phase die Eröffnungsperiode (Eröffnungsphase), die bis zur vollständigen Öffnung des Muttermundes geht. Bei den meisten Erstgebärenden dauert dies zwischen sieben und zehn Stunden, bei Mehrgebärenden etwa vier Stunden. Nach dem Blasensprung entsteht eine Sogwirkung am Kopf des Kindes – nun wird es Zeit in die Klink zu fahren.

Der Eröffnungsperiode folgt die Austreibungsperiode oder auch Austreibungsphase genannt. Nun ist der Muttermund vollständig geöffnet. Diese Phase dauert zwischen 60 und 75 Minuten. Der Pressdrang wird ausgelöst, wenn der Kopf des Kindes so tief liegt, dass er auf die Beckenorgane drückt. Während der Wehe bewirkt der Zwang zum Mitpressen, dass das Kind vorwärts getrieben wird. Diese Zeit ist für das Kind die gefährlichste Phase, weshalb hierbei nach jeder Wehe die Herztöne überprüft werden. Die Gefahr besteht darin, dass die Sauerstoffzufuhr durch eine verminderte Durchblutung der Plazenta vermindert wird. Gefährlich ist auch der Druck des Kopfes auf den Beckenboden. Ggf. kann ein Dammschnitt notwendig werden, damit der Beckenboden vor einer Überdehnung geschützt werden kann und der Druck auf den kindlichen Kopf vermindert wird.

Der schwerste Teil für Mutter und Kind ist die Geburt des Kopfes, denn der Rumpf folgt problemlos. Dann wird der Nasen-Rachen-Raum des Kindes abgesaugt und das Kind abgenabelt.

Nun erfolgt die Nachgeburtsperiode, von der die Frauen in den meisten Fällen nicht sehr viel mitgekommen. Allerdings ist dieser Abschnitt für die Mutter aufgrund der starken Blutungsgefahr am risikoreichsten. Nach der eigentlichen Geburt hat die Mutter Nachgeburtswehen, durch die sich die Gebärmutter Stück für Stück verkleinert. Durch diese Flächenverschiebung löst sich die Plazenta ab und wird durch Mitpressen der Frau geboren. Meist dauert dies ca.20 Minuten. Die Plazenta muss unbedingt auf ihre Vollständigkeit überprüft werden, da verbleibenden Reste in der Gebärmutter zu schweren Blutungen und Infektionen führen kann.

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